Skip to main navigation Skip to main content Skip to page footer

Ausgabe 1

Bundesfernstraßen Digital - Das Magazin

Ausgabe 1 – Januar 2026


Editorial

Digitalisierung braucht Austausch – nicht nur von Daten, sondern zwischen Menschen

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die Digitalisierung von Planung, Bau und Betrieb der Bundesfernstraßen hat in den vergangenen Jahren spürbar an Fahrt aufgenommen. Dabei zeigt sich immer deutlicher: Digitalisierung ist nicht allein eine Frage der Technik. Der erfolgreiche Einsatz digitaler Methoden und Instrumente hängt ganz wesentlich vom Faktor Mensch ab – von engagierten Fachkräften, von partnerschaftlicher Zusammenarbeit und von der Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Vor diesem Hintergrund stellt der neue Newsletter „Bundesfernstraßen Digital – Das Magazin“ gezielt die Menschen in den Mittelpunkt, die die Digitalisierung des Bundesfernstraßenbaus aktiv mitgestalten.

Mit dem Masterplan BIM Bundesfernstraßen hat das Bundesverkehrsministerium im Oktober 2021 den Auftakt zur Implementierung der BIM-Methode gegeben. Anfang 2026 stehen wir nun kurz vor dem Übergang von BIM in den Regelprozess und bereiten parallel mit dem Digitalen Zwilling die nächsten Schritte vor. Eine zentrale Erkenntnis aus den vergangenen Jahren lautet: Digitalisierung gelingt dann besonders erfolgreich, wenn motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Verwaltung, Planung, Bauwirtschaft und Wissenschaft partnerschaftlich zusammenarbeiten und offen für Veränderungen sind.

Diesen Austausch und diese Offenheit unterstützt das BMV kontinuierlich. Mit der Plattform „BIM Bundesfernstraßen“, die seit 2022 als zentrale Kommunikationsplattform dient, wurde hierfür eine wichtige Grundlage geschaffen. Im Zuge des Übergangs von BIM in den Regelprozess und vor dem Hintergrund der laufenden Aktivitäten zum Digitalen Zwilling wurde die Plattform zu „Bundesfernstraßen Digital“ weiterentwickelt und um zusätzliche Formate ergänzt. Der Newsletter „Bundesfernstraßen Digital – Das Magazin“ ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Erweiterung.

Mit diesem Magazin möchten wir die bestehende Fach-Community noch enger vernetzen. Ziel ist es, aktuelle Entwicklungen sichtbar zu machen, Erfahrungen zu teilen, innovative Projekte – und die Menschen dahinter – vorzustellen und so die Digitalisierung voranzutreiben.

Über all dem steht der Anspruch, in Sachen Digitalisierung noch schneller, noch effizienter zu werden. Digitalisierung ist ein zentraler Hebel, um die Bundesfernstraßen langfristig leistungsfähig zu halten. Sie unterstützt den Abbau des bestehenden Erhaltungsrückstands, ermöglicht effizientere und schnellere Planungs- und Genehmigungsprozesse und trägt zu einem nachhaltigeren Bauen bei. Vor allem schafft sie die Grundlage für eine vorausschauende Erhaltung, mit der kritische Zustände bei der Infrastruktur frühzeitig erkannt und behoben sowie durch vorausschauend umgesetzte Maßnahmen langfristig vermieden werden können. 

Vor diesem Hintergrund gewinnt der fachliche Austausch weiter an Bedeutung. „Bundesfernstraßen Digital – Das Magazin“ leistet hierzu einen wichtigen Beitrag, indem er aktuelle Entwicklungen sichtbar macht, sie einordnet und den Dialog innerhalb der Fachcommunity stärkt. Ich lade Sie ein, diesen Austausch aktiv mitzugestalten.

Ihr

Michael Puschel
Leiter der Abteilung Bundesfernstraßen im Bundesministerium für Verkehr

Wenn Sie Bundesfernstraßen Digital – Das Magazin künftig drei- bis viermal pro Jahr erhalten möchten, melden Sie sich bitte an. 

Hier geht es zur Anmeldung. 


Fortschritt und Fakten

Dialogforum Bundesfernstraßen Digital: Jetzt anmelden, am 27. März 2026 dabei sein

Wie geht es weiter mit der Digitalisierung der Bundesfernstraßen? Mit dem Übergang von BIM in den Regelprozess und den laufenden und zukünftigen Aktivitäten rund um den Digitalen Zwilling werden immer mehr Potenziale für effizienteres, nachhaltigeres Planen, Bauen und Betreiben deutlich und erschlossen. Die bisherigen Erfahrungen, die aktuellen Entwicklungen und die Erwartungen für die nächsten Jahre stehen im Mittelpunkt des Dialogforums Bundesfernstraßen Digital am 27. März 2026.

Das Dialogforum setzt auf den gemeinsame Austausch: Wo stehen Bund und Länder bei der Umsetzung von BIM? Welche Erwartungen, Anforderungen und nächsten Schritte verbinden sich mit dem Digitalen Zwilling? Und wie kann die weitere Entwicklung gemeinsam gestaltet werden?

Nach der Begrüßung durch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder und kurzen Impulsen rückt der Dialog der Teilnehmenden in den Fokus. In hybriden Diskussionen und offenen Austauschformaten haben Teilnehmende vor Ort und online die Möglichkeit, eigene Perspektiven einzubringen, Fragen zu stellen und neue Impulse zu setzen. Auf dem begleitenden Dialogmarkt präsentieren Länder und weitere Partner ihre Projekte, Erfahrungen und Ideen – und laden zur Vernetzung und Zusammenarbeit ein.

Das Dialogforum findet hybrid statt: 

  • vor Ort in Berlin: Erich-Klausener-Saal, Bundesministerium für Verkehr, Invalidenstraße 44, begrenzte Plätze
  • online mit Webex, unbegrenzte Teilnahmemöglichkeiten 

Weitere Informationen und Anmeldung unter www.bundesfernstrassen-digital.de/veranstaltungen

Der Anmeldeschluss für die Präsenzteilnahme ist der 25. März 2026. Die Anmeldung zur Online-Teilnahme ist bis 27. März 2026 möglich.

Informationen zu aktuellen und Dokumentationen von vergangenen Events finden Sie auf unserer Veranstaltungsseite.

Weiter zu den Veranstaltungen 


Präzise definiert

Im Praxisdokument „Unteranwendungsfälle“ werden die BIM-Anwendungsfälle konkretisiert und damit beispielsweise Ausschreibungen vereinfacht

Die bundeseinheitlich beschriebenen BIM-Anwendungsfälle (AWF) bieten einen wichtigen Orientierungsrahmen für den zunehmenden Einsatz der BIM-Methode im Bundesfernstraßenbau. Rückmeldungen aus der Praxis zeigen jedoch, dass die Bandbreite der fachlichen Ausprägungen und Umsetzungsmöglichkeiten in einzelnen Bereichen weiter geschärft werden muss.

Vor diesem Hintergrund startete im September 2024 ein gemeinsames Projekt der in der Lenkungsgruppe BIM vertretenen Partner und Bundesländer. Ziel war es, praxistaugliche Unteranwendungsfälle (uAWF) zu entwickeln, die direkt in Ausschreibungen genutzt werden können. Workshops und eine Vorabumfrage machten deutlich, wo der größte Konkretisierungsbedarf besteht.

Für ein erstes Cluster wurden fünf besonders praxisrelevante Themen ausgewählt – von der Aufbereitung digitaler Geländemodelle bis zur modellbasierten Baufortschrittskontrolle. Die Ergebnisse sind in einem neuen Praxisdokument zusammengeführt. Die präzisierten uAWF schaffen klar definierte Liefergegenstände und unterstützen eine wirtschaftliche, termin- und kostensichere Umsetzung von BIM in der Praxis.

Das Praxisdokument Unteranwendungsfälle steht im Bereich Publikationen zum Download bereit. 

Zu den Publikationen 


Praxis und Anwendung

Aufruf: Zeigen Sie uns Ihr Digitalisierungs-Projekt!

In der Rubrik Praxis und Anwendung stellen wir Projekte, Anwendungsfälle und Erfahrungsberichte zur BIM-Anwendung im Bundesfernstraßenbau sowie Pilotprojekte und Erkenntnisse zum Digitalen Zwilling vor – und suchen dafür laufend spannende Beispiele.

Welche Projekte suchen wir?
Vorgestellt werden können alle Vorhaben, in denen die BIM-Methode im Bundesfernstraßenbau eingesetzt wurde oder in denen bereits Digitale Zwillinge entstehen. Modellbasierte Planung, Visualisierungen in Beteiligungsverfahren, optimierte Bauabläufe, digitale Prüfprozesse, innovativer Einsatz von Sensorik oder neue Formen der Zusammenarbeit – alle Bereiche, alle Erfahrungen sind willkommen. Ziel ist es zu zeigen, wie sich BIM in unterschiedlichen Phasen – von der Planung über die Genehmigung bis zur Bauausführung – praktisch bewährt.

Wer kann Projekte einreichen? 
Vorhabenträger, Verwaltungen, Planungsbüros, Bauunternehmen sowie weitere Partner - also kurz gesagt alle, die mit der BIM-Methode im Bundesfernstraßenbau arbeiten – sind eingeladen, ihre Projekte zu übermitteln.

Warum lohnt sich eine Vorstellung Ihres Projekts im Magazin?
Mit einem Beitrag im Magazin machen Sie Ihre Erfahrungen einem breiten Fachpublikum zugänglich, geben wertvolle Einblicke in Ihre Herangehensweisen und unterstützen die gesamte Fachcommunity dabei, voneinander zu lernen. Damit tragen Sie dazu bei, die Digitalisierung von Planung, Bau und Erhaltung der Bundesfernstraßen weiter voranzutreiben. 

Wie können Projekte eingereicht werden?
Schicken Sie uns einfach eine kurze Nachricht per E-Mail.
Falls bereits Texte, Abbildungen, Modellansichten, Visualisierungen oder Videos vorliegen, können Sie diese gern mitschicken. Wenn nicht: kein Problem. Wir führen auf Wunsch ein kurzes Gespräch, klären die relevanten Aspekte und bereiten das Projekt redaktionell für Sie auf. Die Veröffentlichung erfolgt selbstverständlich erst nach Ihrer Freigabe.

Was passiert, wenn mehrere Projekte eingehen?
Grundsätzlich können auch mehrere Projekte in einer Ausgabe vorgestellt werden – je vielfältiger die Ansätze, je mehr Erfahrungen geteilt werden, umso mehr kann die Community voneinander lernen. Projekte, die in der aktuellen Ausgabe nicht berücksichtigt werden können, bleiben dennoch vorgemerkt und werden zu einem späteren Zeitpunkt vorgestellt.

Wir freuen uns auf Ihre Beispiele aus der Praxis – und darauf, gemeinsam zu zeigen, wie BIM im Bundesfernstraßenbau bereits heute wirkt und welche Potenziale der Digitale Zwilling mit sich bringt.

Schreiben Sie uns!

Die Redaktion freut sich auf ihre Projekte, Beispiele und spannende Cases. 

newsletter@bundesfernstrassen-digital.de.


Forschung und Entwicklung

Mehr als Ökobilanzierung: Das Projekt BIM4SDM verwendet BIM-Modelle zur Nachhaltigkeitsbewertung

Mit Hilfe erweiterter BIM-Modelle sollen Kennziffern zur Berechnung von Nachhaltigkeitsindikatoren (teil-)automatisch erzeugt werden. Ziel ist es, die Planung, den Bau und den Betrieb von Bundesfernstraßen durchgängig nachhaltiger zu gestalten.

Das Akronym BIM4SDM steht für „Building Information Modelling for Sustainable Decision Making“. Die Projektpartner sprechen allerdings lieber von „Building Information Management“, da es im Projekt weniger um das eigentliche BIM-Modell geht. Stattdessen liegt der Fokus auf der Definition und Verwendung von Informationen, die zur Bewertung von Nachhaltigkeitsindikatoren herangezogenen werden. 

Das Projekt versteht Nachhaltigkeit als ganzheitliches Konzept, in dem Umwelt, Wirtschaftlichkeit und soziale Effekte gleichwertig vertreten sind. Ziel ist es, zukünftig Nachhaltigkeitsbewertungen mit geringem Zusatzaufwand zu ermöglichen, um Entscheidungen zur Verbesserung von Wirtschaftlichkeit, sozialen Effekten oder Umweltwirkungen schneller und sicherer treffen zu können. BIM4SDM arbeitet daran, die Anforderungen an die diesbezügliche Erweiterung der BIM-Modelle klar zu definieren. Konkrete Berechnungsregeln helfen den Planerinnen und Planern ihre Projekte nachhaltiger zu gestalten.

BIM4SDM verknüpft die BIM-Galaxie mit der Nachhaltigkeitswelt

Bislang werden einzelne Aspekte eines Infrastrukturvorhabens, zum Beispiel Technik Wirtschaftlichkeit oder Umweltwirkungen, oft getrennt in eigenen Verfahren bewertet. BIM4SDM führt die Perspektiven zusammen – und integriert weitere Faktoren wie beispielsweise regionale Entwicklungsbeiträge als Teil der sozialen Dimension.

„Wenn wir mit Mitgliedern der BIM-Community über Nachhaltigkeit sprechen, sind viele überrascht, wie vielfältig das Thema ist“, sagt Dr. Tim Zinke, Senior Consultant bei HOCHTIEF Engineering und einer der wesentlichen Treiber hinter BIM4SDM. „Es geht um weit mehr als Ökobilanzierung. Wir wollen die BIM-Galaxie mit der Nachhaltigkeitswelt in all ihren Dimensionen verknüpfen.“

Ursprünglich wurden 450 Indikatoren in den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit daraufhin geprüft, ob sie mit Hilfe von BIM-Modellen bewertbar sind. 42 Indikatoren wurden als grundsätzlich geeignet identifiziert. Diese 42 Indikatoren sind unter Beteiligung verschiedener DEGES-Mitarbeitenden bezüglich ihres Nutzen-Aufwand-Wertes bewertet worden. Darauf aufbauend werden im nächsten Schritt die sieben bestbewerteten Indikatoren dem Praxistest in der Planung unterzogen.

Die Weiterverarbeitung von Daten erfolgt weitgehend automatisiert

Wie die automatisierte Bewertung funktioniert, erläutert Prof. Dr.-Ing. Rainer Hess, Mitglied der Geschäftsführung der Durth Roos Consulting GmbH und Projektpartner bei BIM4DSM: „In BIM-Modellen entstehen zahlreiche Daten, die sich für Nachhaltigkeitsanalysen nutzen lassen. Wir erweitern das Modell so, dass der Computer diese Daten per Algorithmus weitgehend automatisch weiterverarbeitet und daraus Kennwerte für ausgewählte Nachhaltigkeitsindikatoren ableitet. Dazu müssen auch temporäre Sachverhalte – etwa Erdbewegungen in der Bauphase oder durch die Baustelleneinrichtung in Anspruch genommene Flächen – berücksichtigt werden.“

Das Ineinandergreifen der Nachhaltigkeitsdimensionen zeigt sich beispielsweise an den Verkehrseffekten von Infrastrukturmaßnahmen. Erneuerungen, Ersatzneubauten oder Erweiterungen beeinflussen stets die Verkehrsströme – auf der Autobahn, auf umliegenden Strecken und im nachgeordneten Netz. Unter Verwendung der Informationen aus dem BIM-Modell lassen sich diese Effekte inklusive Stauzeiten präzise berechnen. Auf dieser Grundlage können Baustellen intelligenter geplant, Kapazitäten erhalten und Staus reduziert werden. Das bedeutet weniger Lärm, weniger Emissionen, weniger Zeit- und Produktivitätsverluste – und weniger Stress für die Verkehrsteilnehmenden.

Erste Ergebnisse Anfang 2026, Projektabschluss für 2027 anvisiert 

Das Projektteam ist ebenso interdisziplinär wie der Ansatz selbst. Neben Dr.-Ing. Tim Zinke (HOCHTIEF; Bauausführung) und Prof. Dr.-Ing. Rainer Hess (Durth Roos Consulting; Nachhaltigkeitsbewertung) sind Prof. Dr.-Ing. Martina Lohmeier (Durth Roos Consulting; Straßenplanung) sowie Dr.-Ing. Matthias Müller (Circon GmbH; Brückenbau) beteiligt. Das Forschungsteam arbeitet unter dem Dach der KIT Campus Transfer GmbH (KCT). Finanziert wird das Projekt aus Bundesmitteln.

BIM4SDM durchläuft insgesamt vier Phasen. Phase 1 – die Aufbereitung geeigneter Nachhaltigkeitsindikatoren – ist bereits abgeschlossen. Die Ergebnisse sollen Anfang 2026 in einem Praxisdokument veröffentlicht werden. In den derzeit parallellaufenden Phasen 2 und 4 werden die sieben Nachhaltigkeitsindikatoren, die mit BIM-Modellen sehr gut bewertbar sind, dem Praxistest in der Planung unterzogen. Die Auswahl der Pilotprojekte läuft noch, doch schon Mitte des Jahres 2026 werden belastbare Ergebnisse erwartet. Phase 3 umfasst anschließend die Erprobung und Anwendung von BIM4SDM in der Bauausführung. Der Projektabschluss ist für 2027 geplant.

Die Redaktion dankt Dr.-Ing. Tim Zinke und Prof. Dr.-Ing. Rainer Hess für ihre Unterstützung bei der Erstellung dieses Beitrags. 

 

Das Praxisdokument zu BIM4SDM wird in Kürze im Publikationsbereich veröffentlicht.

Zu den Publikationen 


Im Gespräch

„Ob bei BIM oder beim Digitalen Zwilling: Das wichtigste Handlungsfeld ist immer der Mensch.“

Seit Januar 2021 ist Dr. Jens Fleischhauer beim Fernstraßen-Bundesamt (FBA) unter anderem zuständig für die Steuerung und zentrale Koordinierung der BIM-Einführung im Fernstraßen-Bundesamt. Der promovierte Jurist ist an der Erstellung des Anwendungsfalls 090 „Genehmigungsprozess“ und weiterer Kernprozesse beteiligt. Darüber hinaus entwickelt er, gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen, Standards und Richtlinien zur bundesweit einheitlichen Anwendung der BIM-Methode. Im Gespräch geht er näher auf die Rolle des FBA ein und gibt einen Ausblick auf das Jahr 2026 und den Übergang von BIM in den Regelprozess. 

Das Magazin (M): Wo stehen wir aktuell bei der BIM-Implementierung? 

Dr. Jens Fleischhauer (JF): BIM steht kurz vor dem Übergang zum Regelprozess. Die Reifegradmessung hat gezeigt, dass es ein recht heterogenes Feld bei der BIM-Implementierung gibt: Einige Bundesländer haben bereits zahlreiche Projekte durchgeführt und umfassende Erfahrungen mit der Methode gesammelt. Andere waren eher zurückhaltender. Aber auch wenn die Geschwindigkeit des Übergangs in den Regelprozess von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sein wird: Die Community insgesamt ist BIM-ready. Der Masterplan hat dafür die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen.

 

M: Und wie sieht es konkret bei Ihnen im Fernstraßen-Bundesamt aus?

JF: Wir haben im FBA die Voraussetzungen geschaffen. Ein wichtiger Meilenstein war die Entwicklung und Inbetriebnahme eines eigenen CDE (Common Data Environment), das wir gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr nutzen. Auf Grundlage des Forschungsprojekts BeGeBIM (Beschleunigung von Genehmigungsprozessen im Straßenbau durch digitale Modelle) haben wir gleichzeitig die Grundlagen dafür geschaffen, unsere eigenen Prozesse digital auszurichten. Auch vor uns liegt natürlich noch Arbeit. Insgesamt sind wir aber bereit für BIM im Regelprozess. 

 

M: Wie erleben Sie die Zusammenarbeit zwischen dem Bundesministerium für Verkehr, dem FBA, den Auftragsverwaltungen und der Bau- und Planungsbranche? 

JF: Die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten, insbesondere der BIM-Lenkungsgruppe aber auch den übrigen Akteuren war von Anfang sehr gut und ist im Laufe der Zeit immer besser geworden. Die große Motivation aller Beteiligten hat dazu beigetragen, dass wir bei der Entwicklung der Standards und der Instrumente für die BIM-Implementierung zügig vorangekommen sind. Ein weiteres Beispiel ist die Entwicklung des BIM-Portals des Bundes. Direkt nach der Einführung gab es teilweise Kritik aus der Praxis an der Funktionsfähigkeit des Portals. Die Verantwortlichen haben sich mit großem persönlichen Engagement dieser Kritik angenommen und das Portal kontinuierlich verbessert. Auch werden die verschiedenen Digitalisierungsströmungen besser miteinander vernetzt. Das ist auch erforderlich. Denn nur wenn bspw. bei der Entwicklung von Antrags- und Beteiligungsportalen an die BIM-Implementierung gedacht wird, kann das Ziel einer wirklichen Ende-zu-Ende-Digitalisierung, bei der die Prozesse von der Antragstellung bis zur Umsetzung durchgängig digital ablaufen, erreicht werden.

 

M: Welche Erfahrungen aus den bisherigen Pilotprojekten und aus der seit Mai 2025 laufenden Phase III der BIM-Implementierung sind für den anstehenden Übergang in den Regelprozess ab 2026 besonders wertvoll?

JF: Die Bundesländer sind bisher sehr unterschiedlich mit dem Thema Pilotprojekte umgegangen. Ich persönlich denke: Ohne Pilotierung geht es nicht. Pilotprojekte sind eine Möglichkeit, Neues zu erproben und auch mal außerhalb der gängigen Linie zu arbeiten, neue Technologien und neue Methoden zu verwenden. Das FBA hat einige Pilotprojekte begleitet, zum Beispiel den Neubau der Weserbrücke Stolzenau in Niedersachsen. Die Erfahrungen mit dem BIM-Einsatz waren durchweg positiv. Das kann man gar nicht oft genug sagen! Nur, wenn wir unsere Erkenntnisse teilen, können wir auch diejenigen von BIM überzeugen, die bislang mit der Anwendung der Methode noch etwas zurückhaltend sind. 

 

M: Ist mit dem Regelprozess das Thema BIM fertig entwickelt? 

JF: Nein. Auf keinen Fall. Die BIM-Methode wird auch zukünftig inhaltlich weiterentwickelt. Zusammen mit den Partnern der Lenkungsgruppe BIM wird das FBA den Regelprozess weiterhin begleiten. Es wird auch zukünftig Praxisdokumente geben, um die Erfahrungen aus der konkreten Umsetzung mit der Community zu teilen. Darüber hinaus wird das Informationsangebot auf dem BIM-Portal stetig ausgebaut. Ein Best-Practice-Objektkatalog steht kurz vor der Veröffentlichung und wird Grundlage für einen verkehrsträgerübergreifenden Harmonisierungsprozess sein. [F1] Der Regelprozess BIM stellt einen Übergang dar, der weiterhin aktiv begleitet wird. Die Arbeit findet schließlich ihre Fortsetzung in der Nutzung der Modelle aus Planung und Bau im Kontext Digitaler Zwillinge. 

 

M: Was ändert sich ab 2026 mit dem Auftakt mit Blick auf den Digitalen Zwilling? 

JF: Die konsequente Digitalisierung ist einer der Schlüssel um die Planung, den Bau und den Betrieb von Bundesfernstraßen zukunftsfähig zu gestalten. Dieser Gedanke hat sich mittlerweile durchgesetzt. Der Schlüssel ist dabei die Betrachtung des gesamten Lebenszyklus und die möglichst medienbruchfreie Kommunikation über alle Phasen hinweg. Der Fokus verschiebt sich dabei etwas mehr von der Planung in Richtung des Betriebes und damit auch der Erhaltung der Infrastruktur. Dies war im Masterplan BIM Bundesfernstraßen bereits so vorgesehen und wird mit dem Digitalen Zwilling fortgesetzt. Planung und Betrieb werden viel näher zusammenrücken - und damit die Menschen, die in diesen Feldern bislang eher getrennt tätig waren. Dadurch werden neue Transformationsprozesse angestoßen, die sicher viele Befürworter finden, aber es werden absehbar auch Bedenken auftreten. Da kommt viel Überzeugungsarbeit auf uns zu, und damit die fortlaufende Notwendigkeit, den Wandel zu gestalten. Denn ob BIM oder Digitaler Zwilling, ob Prozesse, Technologien, Standards und Richtlinien oder Daten: Das wichtigste Handlungsfeld für den Wandel ist immer der Mensch. 

 

M: Was bedeuten die Veränderungen ab 2026 für die Rolle des FBA? 

JF: Eine wesentliche Aufgabe für das FBA wird darin bestehen, den Objektkatalog BIM Bundesfernstraßen weiterzuentwickeln und beispielsweise die Anbindung an bestehende Datenbanken zu sichern. Die Verknüpfung von z. B. Straßen- und Bauwerksdatenbanken mit Geodaten und BIM-Modellen stellt die Grundlage für den Aufbau Digitaler Zwillinge im Bereich der Bundesfernstraßen dar.  Erste gute Ansätze gibt es dazu bereits. Darüber hinaus wird das FBA auch weiterhin an der behördlichen Steuerung der BIM-Implementierung und der Aktivitäten zum Digitalen Zwilling mitwirken. Die bisherige Zusammenarbeit beispielsweise in der Lenkungsgruppe BIM hat sich aus meiner Sicht bewährt, da hier die verschiedenen Sichtweisen von Behörde und Umsetzungspartnern zusammenkommen. Das FBA wird dort weiterhin als „Arbeitsmuskel“ des BMV die Interessen des Bundes vertreten. 

Aktuelle Informationen zu BIM im Regelprozess und zu den Entwicklungen im Themengebiet Digitaler Zwilling finden Interessierte auf der Webseite von Bundesfernstraßen Digital sowie in unserem LinkedIn-Kanal. 

Hier geht es zu den aktuellen Meldungen

Hier geht es zum LinkedIn-Kanal